Warum gerade Lukaskirche?

Lukaskirche in Weil

Der damalige Dekan Pfeiffer ging in seiner Festpredigt auf diese Frage ein: „...weil das Lukasevangelium Gottes Erbarmen in ganz besonderer Weise uns hinstellt: angefangen von  den Advents- und Weihnachtsgeschichten, dem Engelruf von der Freude über das Gleichnis vom verlorenen Sohn bis hin zum Schächer am Kreuz“. Pfarrer Wagner, der als Gast bei der Kircheneinweihung dabei war, sagte u.a.: „ In dem Namen Lukaskirche steckt eigentlich ein Programm, ein Auftrag für die Gemeinde, die sich Sonntag für Sonntag hier sammelt: einmal, seid offen für die Menschen, die noch ferne sind und werdet nicht müde, solche Wege der Verkündigung zu suchen, auf denen ihr in die Herzen der Menschen hineinkommen könnt; zum anderen, seid offen für alle geistliche, seelische und materielle Not, die euch begegnet, und mobilisiert als Lukasgemeinde den Feldzug der liebe für diejenigen, die unsere Liebe brauchen.“ Am Pfingstfest 1969, also erst nach sechs Jahren, bekam die Lukaskirche den längst fälligen Kirchturm mit den vier Glocken, deren Töne C, ES, F und G die Anfangstöne des Liedes „Gott rufet noch...“ bilden.
Der Stadtteil Mettingen mit Brühl und Weil ist heute mehr denn je eine Industrie- und Arbeitergemeinde. Die frühere Württembergische Baumwollspinnerei und Weberei, die 1962 ihre Produktion einstellen musste, und die ehemalige Maschinenfabrik Esslingen in Mettingen und viele neue hinzugekommene Fabrikhallen gehören nun zum großen Komplex der Daimler-Benz-Werke. In verschiedenen Bauabschnitten entstanden in den letzten Jahren Hochhäuser für Arbeiter und Angestellte. Auch im Stadtteil Weil, der früheren königlichen Domäne und des Gestüts, ist in den letzten Jahren viel gebaut worden, so dass um die früher alleinstehende Lukaskirche eine ganz neue Siedlung entstand. Außerdem erstellte die GSG (Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft des Hilfswerks der evangelischen Kirche in Deutschland) zwei große Hochhäuser mit insgesamt 100 Wohnungen. Im Jahre 1972 hat die evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen bei der Erstellung eines neuen Wohnblocks durch die GSG eine auf zwei Etagen übereinanderliegende Pfarrwohnung kaufen können, so dass die Voraussetzung für eine Pfarrverweserstelle (seither ständige Vikarsstelle) und klare Abgrenzung zweier Pfarrbezirke der Kirchengemeinde Mettingen gegeben war.
Nachdem im Jahre 1963 nach Planung und unter der Leitung des Architekten Diplom-Ingenieur Peter Haag, Schorndorf, die Außenerneuerung von Turm und Chor der Kirche in Mettingen durchgeführt werden konnte, war es nun endlich möglich, nach über zehnjähriger Zwangspause das schöne Gotteshaus nach einer gründlichen Innenerneuerung und einer kleinen Erweiterung am 3. März 1974 einzuweihen. In bewegten Worten sagte an jenem Tag Dekan Hennig bei der Schlüsselübergabe: „Ich übernehme die Schlüssel dieser alten, neuen Kirche aus den Händen unseres guten Baumeisters und übergebe sie der Gemeinde Mettingen und ihrem Pfarrer, der nun im zwölften Jahr seines Dienstes an dieser Gemeinde endlich sein Amt als Prediger an diesem Ort, auf dieser Kanzel, an diesem Taufstein und an diesem Altar wahrnehmen darf. Ich wünsche der Gemeinde Mettingen und ihrem Pfarrer, dass das Wort Gottes an eine urchristliche Gemeinde – es steht in Offenbarung 3, 7 – Wahrheit werden möge: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut und niemand kann zuschließen, der zuschließt und niemand kann auftun. Ich weiß deine Werke, siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür!“
Unter dieser Verheißung des Herrn und mit den äußeren Voraussetzungen einer erneuerten „Liebfrauenkirche“, der Lukaskirche in Weil, dem Gemeindehaus mit den Kindergärten und der Schwesternstation, dem 1902 gebauten schönen Pfarrhaus in Mettingen und der Pfarrwohnung in Weil darf die evangelische Kirchengemeinde auch in der heutigen Welt ihren Weg gehen und „wirken, solange es Tag ist“.