Mettinger Kirchengeschichte

Liebfrauenkirche

Zentraler Punkt im Dorf war die Kirche, heute als „Faifegrädler“ bekannt. Dass das jüngst erneuerte Kirchenschiff schon aus dem 14. Jahrhundert stammt, darf trotz der angebrachten Jahreszahl 1443 als sicher gelten. Wahrscheinlich stand schon vorher eine Kapelle am gleichen Platz. Ob die Angabe in der Oberamtsbeschreibung von 1845 richtig ist. Wonach diese „Kapelle zu unserer Lieben Frau“ schon 1267 genannt wurde, ist nicht mehr festzustellen, da es in und um Esslingen mehrere Kapellen dieses Namens gab. Am 25.8.1432 erlaubt der Bischof von Konstanz die Einweihung eines Altars in der „Liebfrauen-Kapellkirche außerhalb der Stadt“. Auch dies könnte sich auf unsere Kirche bzw. deren Vorläufer beziehen.
Der Bau von Chor und Turm wurde wohl 1455 (andere Quellen nennen 1446) begonnen, denn im Esslinger Ratsprotokoll dieses Jahres ist erwähnt, die “Vergrößerung“ habe begonnen. Die Tatsache, dass Chor und Schiff ursprünglich nicht fest verbunden waren, sondern zwei Fuß auseinander standen, lässt vermuten, dass der Abriss des alten und der Bau eines größeren, in anderen Proportionen zum Chor stehenden Schiffs geplant war. Dass es beim alten, im Verhältnis zum Chor geometrisch viel zu kleinen Schiff blieb, kann am Geldmangel gelegen haben. Schon am 17.12.1455 und 1458 erhalten die Mettinger Sammelpatente des Rats, um Spenden einziehen zu können. Das zeigt, dass sie zur Finanzierung auf fremde Unterstützung angewiesen waren. Deshalb bittet die Stadt auch in den Jahren 1476,1478,1484 und 1485 beim Bischof von Konstanz um Erlaubnis für Kollekten. Am 14.4.1505 erlangt sie zum gleichem Zweck von einigen Kardinälen eine Ablassbulle. Auch die Bürger tragen zur Finanzierung bei: So erhält die Kirche „unserer Lieben Frowen in Mettingen“ z.B. am 23.8.1482 ein Vermächtnis. Dennoch geht es langsam vorwärts. 1478 ist vermerkt, Chor (Werk des Beblinger) und Schiff nebst dem Fensterwerk und vielem anderen seien fertig. Das Werk erfordere schwere Kosten. Das alte Schiff wurde deshalb nur ausgebessert. Zuletzt dürfte der Turm entstanden sein, allerdings ohne die vier Ecktürmchen, die erst im 17. Jahrhundert angefügt wurden. Über die Errichtung der Kirche geht die Saga, ein riesiges Pferd habe bei der Erbauung geholfen und dabei unglaubliche Leistungen vollbracht. Deshalb sei früher an der Kirchentüre ein großes Hufeisen angebracht gewesen, das auch Wunderkuren an anderen Pferden bewirkt habe. Schutzpatrone der Kirche sollen Maria, Laurentius, Leonhard und Barbara gewesen sein.
Die Reformation macht auch vor Mettingen nicht halt. 1531 ordnet der Esslinger Rat die Einführung der neuen Lehre für die Stadt und ihr Gebiet an. 1533 wird eine protestantische Kirchenlehre in der Mettinger Kirche eingeführt. Einmal monatlich sollen die Lehrer ihre Schulkinder in die Kirche führen. 1631 wird die Mettinger Kirche erneut erwähnt: die schadhafte Glocke (sie hatte einen Riss) wird umgegossen. Am 2.9. des gleichen Jahres wird (damit die Mettinger ihr Geld sparen?) die Kirchweih in Mettingen verboten. 1763 wird die Kirchenuhr repariert. 1773 ist der Kirchhof (neben der Kirche, man fand vor einigen Jahren dort Knochen) voll. Die Mettinger bitten deshalb um Einmauerung des neuen - heutigen – Platzes (damals noch außerhalb des Orts gelegen!). Im Sommer 1778 beschließt der Rat die Reparatur des schadhaften Kirchturms. Es sind solche Löcher im Dach dass es hereinregnet. Schon im Januar 1785 bittet Mettingen erneut um Ausbesserung des Kirchturmdaches.
Noch mehr Sorgen macht sich der für Mettingen, Rüdern, Krummenacker und Sulzgries zuständige Diakon Köstlin wegen des Seelenheils der Gemeinde. Am 6.6.1784  wandte er sich mit dem dringenden Appell an den Rat, wie auch in den letzten Jahren den Kirchweihtanz in Mettingen wieder zu verbieten. Bei solcher Gelegenheit ereigne sich nämlich „sündlicher Unfug“, vor allem der für die „Jugend und Keuschheit so gefährliche Umgang beyder Geschlechter“, der zu „schändlicher Geilheit und Unzucht“ führe.
Die seelsorgerische Betreuung Mettingens sieht über Jahrhunderte so aus: Zur Taufe der Kinder, zum Abendmahl und zur Trauung muss man sich in die Stadt bemühen. Die übrige Seelsorge in den Filialen obliegt den zwei „untersten Diaconis der Stadt“. „Alle Sonntag, außer wenn die Diacone in der Stadt die Abendpredigt halten, wird abwechslungsweise gepredigt und catechisirt“ (aus einem Bericht von 1802).
Auch bei schulischer Versorgung war Mettingen auf die Stadt angewiesen, wohin die Kinder bei Wind und Wetter geschickt wurden. Es war ausdrücklich verboten, die Mettinger Kinder in die „ausländische“ Obertürkheimer Schule gehen zu lassen. 1811 wird in der Stadt eine Schule eigens für die Kinder von den Filialen eingerichtet. Erst 1847 wird in Mettingen selbst eine Schule gebaut.

Größere Arbeiten an der Mettinger Kirche werden im selben Jahr durchgeführt, als die nun zuständige Esslinger Stiftungspflege „Verbesserungen“ vornehmen lässt. Vermutlich wurden damals zusätzliche Fenster angebracht.