Gedanken zur Planung

Peter Haag


Der schöne Turmchor der Mettinger Kirche datiert von 1446. Als Baumeister werden Lux und Hans Beblinger genannt. Der Bauteil stellt ein besonderes schönes Stück schwäbischer Gotik dar. Der bauliche Zustand ist gut, das Äußere des Turmes und des Chores wurden vor einigen Jahren restauriert.
Im starken Gegensatz zu diesem mächtigen Ostteil, der einen entsprechend großen Westteil erwarten lässt, steht das kleine Schiff der Kirche. In der Literatur findet sich die Angabe, dass es noch aus dem 14. Jahrhundert stammen soll. Sicher war ein größeres Schiff geplant, was auch der Übergang am Chorbogen zeigt. Es kam aber nie zur Ausführung.
Gegen Ende des letzten Jahrhunderts erhielt das Schiff einen neuen Dachstuhl. Dieser überschneidet im Innern den Chorbogen in unbefriedigender Weise. Die Holz-Innenarchitektur des Schiffs ist im ganzen nicht befriedigend und erscheint nicht erhaltenswert. Die gesamte Holzkonstruktion des Schiff-Dachstuhls und der Emporen ist stark verwurmt und erneuerungsbedürftig.
Die Zahl der Sitzplätze in der Kirche ist nicht ausreichend. Ein Vorschlag für eine starke Vergrößerung des Schiffs, der vor einigen Jahren gemacht wurde, musste aufgegeben werden, weil der Grunderwerb, der hierfür notwendig gewesen wäre, nicht durchgeführt werden konnte. Die Entwicklung in der Gemeine Mettingen hat es mit sich gebracht, dass die Zahl der Sitzplätze heute auch niederer angesetzt werden kann als zur Zeit des ersten Entwurfs. Eine Sitzplatzzahl von etwa 250 wird heute als ausreichend angesehen. Diese Sitzplatzzahl, so angeordnet, dass nach den heutigen Vorstellungen ein befriedigendes Bild entsteht und die Liturgischen Bedürfnisse erfüllt sind, kann in dem gegebenen Schiff-Raum nicht untergebracht werden.
Deshalb wird vorgeschlagen, das Schiff nach Norden um etwa 2m zu verbreitern. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die äußere Silhouette des Schiffs, d.h. die Firsthöhe, die Traufhöhe nach der Schenkenbergstraße und die Dachneigung nicht verändert werden. Trotz der oben geschilderten starken Diskrepanz in den Bauvolumen besteht heute doch zwischen Turm und Chor einerseits und Schiff andererseits ein spannungsreiches, ausgewogenes Verhältnis, das auch beim neuen Vorschlag erhalten bleibt. Die Lage dicht an der Schenkenbergstraße legte es nahe, auch den Haupteingang der Kirche auf die Nordseite zu verlegen. Der kleine Eingang auf der Südseite wurde geschlossen. Als zweiter Eingang blieb (etwas vergrößert) der Westeingang. Diese Konzeption legt nahe, der Kirchengemeinde zu empfehlen, zur gegebenen Zeit eine sich bietende Möglichkeit auszunützen, nach Norden hin noch einen gewissen Grunderwerb zu tätigen. Hierdurch könnte dann vor dem neuen Haupteingang mit der Zeit ein kleiner Platzbereich entstehen. Aber auch heute schon sind die räumlichen Gegebenheiten auf der Nordseite so, dass es vertretbar ist, dort den Haupteingang zu haben.
Die Überdachung der Schiff-Verbreiterung wird dadurch erreicht, dass das Norddach heruntergeschleppt wird und dass auf diese Abschleppung 4 Giebel gesetzt werden. Diese werden in Verbindung mit einem neuen großen Westfenster die ausreichende Belichtung des Schiffs ermöglichen.
Im Innern wird die nun entstehende einseitige Raumform des Schiffs ausgeglichen durch eine neue eingebaute Winkelempore. Im „toten Winkel“ dieser Empore (Nordostecke) soll die neue Orgel stehen (darunter, im Schiff, befindet sich, ebenfalls im „toten Winkel“ der neue Haupteingang).
Der ursprüngliche Gedanke, die Bestuhlung im Schiff durch den Chorbogen hindurch in den Chor hineinzuführen, und den liturgischen Mittelpunkt der Kirche im Ostbereich der Kirche anzuordnen, hat sich bei genauer Untersuchung als unmöglich erwiesen. Der Chorbogen bedeutet eine derart starke Zäsur, dass in seinem Bereich zwingend der liturgische Mittelpunkt des Raumes gesucht werden muss. Hierdurch entsteht auf Grund der räumlichen Größenverhältnisse eine zweite „Kleinkirche“ im Chor, die für kleinere Veranstaltungen benützt werden kann, die aber auch – bei Umkehrung der Bestuhlung – für große Gottesdienste mitbenützt werden kann. Um dem neuen Altar im Bereich des Chorbogens nach hinten einen gewissen „Halt“ zu geben, wird vorgeschlagen, hinter dem Altar eine Brüstung anzuordnen, beiderseits dieser Brüstung soll durch Stufen der Niveau- Ausgleich zwischen Schiff und Chor gefunden werden. Hierdurch bleiben die originalen Raumhöhen weitgehend erhalten.
Der ausdrückliche Wunsch des Kirchengemeinderats war, in der Kirche ein WC unterzubringen. Hieraus ergab sich die Notwendigkeit einer Unterkellerung, in der dann gleichzeitig, da die Kirche wenig Nebenräume hat, ein Stuhlmagazin untergebracht werden kann.
Die verhältnismäßig große Sakristei wird durch ein etwa 2m hohes Wandelement geteilt in einen Mesner-Warte-Bereich und in einen kleinen Bereich für den Pfarrer.
Die Architektur des Äußeren, vor allem die Ausbildung der Dachgiebel auf der Nordseite versucht, sich einzufügen in die vorgegebenen gotischen Formen. Es ist an eine Ausführung in Sichtbeton gedacht.
Technische Angaben: Die Betonkonstruktion des Nordanbaus mit den überragenden Giebeln und die Konstruktion des neuen Holzdachstuhls wurde in groben Zügen mit dem Statiker, Dipl.-Ing. W. Schilling, Stuttgart, konzipiert. Neben der Naturschieferdeckung des Turmes und der Ziegeldeckung des verhältnismäßig kleinen Chors ist daran gedacht, das Schiff in Eternit-Schiefer zu decken. Die Kombination dieser 3 Baustoffe erscheint möglich.
Da von der EVS ausreichend Strom zur Verfügung gestellt wird, wird eine elektrische Fußbodenheizung, ergänzt durch Konvektoren, vorgeschlagen.
Die vorgegebene gotische Architektur legt es nahe, als Bodenbelag im Inneren einen Sandsteinboden vorzusehen. Dieser Boden ist aber teuer.
Alle weiteren Einzelheiten über Materialien und Konstruktion mögen aus dem Kostenvoranschlag ersehen werden.
Die Frage der Einstellplätze war, im Einvernehmen mit dem Kirchengemeinderat, nicht Gegenstand der vorliegenden Untersuchung. Es wird davon ausgegangen, dass im Zusammenhang mit einer Voranfrage bei der Stadt Esslingen anhand dieses Entwurfs diese Frage geklärt werden kann, unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse dieses Bauvorhabens.

Restaurierungsarbeiten in der evangelischen Kirche Esslingen –Mettingen vom September 1969 bis März 1974

Horst Wengerter


Im Herbst 1969 ging den geplanten Restaurierungsarbeiten eine umfassende Untersuchung der Innenwände nach Wandmalereien voraus. Dabei wurde ermittelt, dass etwa 50qm Wandfläche mit Malereien aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bemalt waren.

Die Chorwand des Kirchenschiffes besteht infolge des Choranbaues vom 15. Jahrhundert nur noch aus den Wandstummeln des wohl vor 1400 entstandenen gotischen Kirchenschiffes. Auf beiden verstümmelten Wandteilen wurden die Reste einer Darstellung des Jüngsten Gerichts, wohl in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden, gefunden. Die Malerei wurde auf einer zweiten Kalkschlämme, also in Seccotechnil, ausgeführt, womit feststand, dass diese Malerei im Kirchenschiff erst einige Zeit nach der Erbauung entstanden war.
Der nördliche Wandteil zeigt von oben nach unten, mehr oder weniger gut erhalten, einen posaunenblasenden Engel über dem Himmelsbogen (Schriftband?) darunter die zum Himmelsthron schreitende Kirchenfürstin (3 von den 4 Kirchenvätern?). Am unteren Rand sind die Auferstandenen mit den sie führenden Engeln sichtbar.
Der rechte Wandteil zeigt den Zug der Verdammten und Ungläubigen in die Hölle, traktiert von den unmenschlich dargestellten Teufeln.
Sollte vor dem heute sichtbaren Chorbogeneinbau ein kleinerer Chorbogen um 1400 vorhanden gewesen sein, so muss er sehr kleine Ausmaße gehabt haben, denn die Darstellung des Weltgerichts benötigte die obere Mitte der Wand für den Weltenrichter.

Die Südwand wies in Höhe der Fensterbogen einen von Ost- bis zur Westecke durchgehenden einreihigen Bildfries auf. Dargestellt ist die Geschichte der Heiligen Familie. Von Ost nach West zeigen die Bildfolgen:

 

  • Joachim wird nicht zum Opfer im Tempel zugelassen.
  • Akanthusblattdekoration über dem Fensterbogen.
  • Weissagung durch den Engel im Garten.
  • Begegnung an der goldenen Pforte.
  • Geburt Mariens (Selbdritt-Darstellung: Im Vordergrund lehrt Maria das Christuskind gehen.
  • Akanthusblattdekoration über einem Fenster.
  • Joachim und Anna geleiten Maria in den Tempel.
  • Die Bilder 7 – 10 sind durch einen Fenstereinbau des 19. Jahrhunderts gestört. 
  • Der Englische Gruß.
  • Geburt Christi.
  • Christi Beschneidung im Tempel
  • Darstellung nicht mehr erkennbar.
    Einige Zentimeter über dem oberen Bildrand lag die ehemalige Balkendecke im ursprünglichen gotischen Kirchenschiff auf.

Die Westwand mit Ausnahme der Fenstereinbauten des 19. Jahrhunderts gehört ebenfalls zum ursprünglichen gotischen Kirchenschiff. Der geschilderte Bilderfries an der Südwand lief in gleicher Höhe fortlaufend bis zur Nordwestecke weiter. Den Nachweis erbrachten nur noch Farbspuren. Die Darstellung konnte nicht mehr ermittelt werden. Da der Bilderzyklus auch über die Nordwand lief und dort die Leidensgeschichte Christi zum Inhalt hatte, kann angenommen werden, dass hier auf der Westwand die Wunder und das Leben Christi dargestellt waren.
Auf der Nordwand war der obengenannte Bilderfries ebenfalls in gleicher Höhe und Einteilung zu finden. Durch ein wohl lange Zeit undichtes Dach hatte Regenwasser die Malereien stark zerstört und ausgewaschen. Erhaltene Einzelheiten ließen erkennen, dass durchgehend bis zur Nordostecke die Leidensgeschichte Christi dargestellt war. Durch den Umbau zwecks einer Vergrößerung des Kirchenschiffs konnte dieser Bilderfries nicht erhalten werden. Der vorgenommene Abbruch der Nordwand ließ nur eine Übertragung der Wandmalerei auf eine andere Wand zu. Die außerordentlich schlechte Erhaltung dieses Frieses rechtfertigte aber keinen so großen Aufwand. Darüber waren sich alle Beteiligten, einschließlich des Vertreters des Landesdenkmalamtes, einig.
Besser war der Zustand auf Teilen eines zweireihigen Bilderfrieses, der sich an die dargestellte Leidensgeschichte unterhalb anschloss und von der Nordostecke bis ca. 1,20m westlich des westlichen Nordfenster reichte. Die besterhaltenen 4 Bildfelder zwischen den beiden gotischen Fenstern wurden nach Übereinkunft in etwa gleicher Lage zwischen den beiden gotischen Fenstern der Südwand im Anschluss an den oberen erhaltenen Bilderfries übertragen. Dargestellt sind:

 

  • Der Heilige Leonhard steht König Chlodwigs Frau bei der Geburt bei.
  • Der Heilige Leonhard im Wald bei Limoges mit seiner Zelle.
  • Das Wasserwunder (?) des Heiligen Leonhard (die dargestellte Mühle soll wohl versinnbildlichen, dass die Menge des Wassers eine Mühle antreiben konnte).
  • Weibliche Heilige betend an einem Altar. Am linken Bildrand ein kleines Kind, vermutlich von Engeln getragen (?). Vermutlich zeigt auch das letzte Bild eine Szene aus dem Leben der Heiligen Barbara. In den Bildfolgen sind wohl bewusst die Schutzpatrone der Kirche verherrlicht worden: Maria und die Heiligen Leonhard und Barbara. (Der heilige Laurentius konnte nirgends erkannt werden.)

Der Chor, im 15. Jahrhundertentstanden, steht in seiner Raumwirkung, zumindest was die Höhe und die Baudekoration betrifft, im krassen Gegensatz zu dem gedruckten und intimen ehemaligen gotischen Kirchenschiff. Nach der Restaurierung sind die Natursteindetails „wieder“ zu sehen. „Wieder“ heißt, dass hier die Ausnahme von der Regel in der Dekoration des Chors anzutreffen ist. Die Regel ist, dass der Werkstein immer eine Fassung oder einen Anstrich getragen hat. Die Ausnahme hier ist, dass der Werkstein als Schmuckelement belassen wurde. Dort, wo die Quader sehr unästhetisch übereinander lagen (z.B. an den Wandpfeilern), wurde sogar mit Farbe die Quaderung ergänzt; so u.a. auch an den Quadern der Türen und ein Streifen über dem Sockelgesims. Selbst die Aderung des Sandsteins wurde an den Ergänzungen nachgeahmt. Die braune Aderung des Natursteins war es auch, die an eine Marmorierung erinnernd, bei den damaligen Bauherrn anklang fand.
Im Netzgewölbe hatten lediglich die Rippenkreuze farbige Abfassungen der in der Gotik üblichen Art mit Vergoldungen der Unterkanten. In den Gewölbefeldern waren die Zwickel an den Rippenkreuzen mit einer Flammenbemalung mit Eisenoxyd-Erdrot und dunkleren Schattierung ausgelegt. Interessant ist, dass der Werkstein in den Gewölbezwickeln bis zur fünften Lage, einschließlich des Rippenanfängers, vom Wandpfeiler aus gesehen sichtbar war. Erst von der geraden Linie der Oberen Werksteinkante stiegen die gemalten Flammen in das Gewölbefeld.
Leider wurden die Gewölbefelder mit einem zu dunkelgrau wirkenden Akustikputz ausgelegt. Die grobporöse Oberfläche des Putzes ließ keine Wiederanbringung der Flammenmalerei zu. Das Gewölbe wirkt dadurch etwas drückend und es fehlt die leichte Verspieltheit der Gewölbeornamentik der Spätgotik.
Über dem mittleren östlichen Chorfenster wurden zwei Jahreszahlen sichtbar, wovon die erste, zur freigelegten Dekoration gehörende, 1470 lautet. Eine weitere Jahreszahl auf einer der nächsten Schichten lautet 1600, eine dritte war unleserlich.

Bauliche Erneuerung der Evangelischen Kirche in Mettingen

Dieter J. Häcker


Das Baugesuch, gefertigt im September 1969 vom Architekturbüro Haag, wurde Mitte Juli 1970 bei der Stadt eingereicht. Zunächst genehmigt Ende Juli 1970, verzögerten Einsprüche die Rechtswirksamkeit der Genehmigung bis Mai 1972. Im Mai 1972 begann die Zusammenarbeit zwischen Architekturbüro Haag und Architekturbüro Häcker und Hertneck im Hinblick auf die Ausführung und Verwirklichung der Erneuerungsarbeiten an der Mettinger Kirche.
Wie sehr das Werden eines Bauwerkes ein lebendiger Entwicklungsprozess ist, zeigt der Vergleich zwischen den Planungsabsichten im Stadium des ersten Baugesuches, wie sie sich auch im Erläuterungsbericht von Architekt Haag widerspiegeln, und dem, was nun Wirklichkeit geworden ist. Der Impuls des Beginnens führt in der Zusammenarbeit der Architekten zu neuen Ideen, die dann im Gespräch mit der Gemeinde ihre Formen fanden. Der Schwerpunkt der Überlegungen konzentrierte sich darauf, einen Kirchenraum zu schaffen, der eine im Laufe der Zeit sich verändernde und deshalb variable Gottesdienstgestaltung ermöglicht. Daraus entstand der Gedanke, Chor und Schiff auf einer Ebene anzuordnen, sowie die Möblierung, auch Altar, Ambo und Taufstein, beweglich zu machen. Die zu erhaltende historische Substanz sollte in ihrer Schönheit Teil eines Gehäuses für einen modernen Kirchenraum sein. Das neu zu Bauende und Gestaltende sollte bewusst in Form und Material Ausdruck unserer heutigen Zeit sein. Es war das Bestreben der Architekten, Historisches und Neues zu einer harmonischen Einheit zu verbinden.
Ein gestalterisches Problem war dabei zweifellos die Dominanz des gotischen Chores und die Wucht des imposanten Turmes, bei einem sehr kleinen Kirchenschiff auszubalancieren. Mit aus diesem Grund wurde das Thema des Tumhutes bei der Dachgestaltung des Schiffes durch die Bildung eines Dachkörpers aufgenommen. Diese Formung hat auch ihre konstruktive Berechtigung, verdeutlicht sie doch, durch Dachhaut und Innenschalung begrenzt, die Abmessung und Konstruktionsform der das Schiff überspannenden Dachbinder. Die Ablösung der oberen Begrenzung der Giebelwand vom Dachkörper durch ein Fensterband ist ein weiteres wesentliches Element der im vorgenannten Sinne wirkenden Gestaltung. Nach außen hin wird das Dach mit seinem optischen Gewicht noch mehr betont, gleichzeitig wird die etwas unangenehme Überhöhung der relativ schmalen Giebelwand gedämpft. Im Innern erfährt das Schiff durch diese Maßnahme eine visuelle Ausdehnung in der Längsrichtung und in der Volumensempfindung, weil die zeltartige Decke des Schiffes nicht ins Halbdunkel zurücktritt, sondern durch das reflektierende Streiflicht voll ausgeleuchtet ist. Damit hat zwar der Chor mit seiner Lichtfülle nicht mehr das typisch gotische Übergewicht, jedoch die Bedeutung des Schiffes als Gottesdienstraum der Gemeinde und die Lichtharmonie des Gesamtraumes wurde in  den Vordergrund gerückt. Den gleichen Zweck hatte die Wahl des bronzefarbenen Parsolglases als äußeres Glas der Isolierscheiben in allen Fenstern.
Mit Rücksicht auf den Bestand, u.a. auch auf zu erhaltende Bildwerke, konnte natürlich der Wiederaufbau des Schiffes nicht in dem von Neubauten gewohnten Sturmschritt erfolgen. Stahlbeton- und  Maurerarbeiten und das anschließende Aufrichten des Dachstuhles – die schweren Binder wurden mit Autokranen hochgezogen – fanden am 30.03.1973 mit dem Richtfest ihren Abschluss. Es schlossen sich die umfangreichen Ausbau- und Renovierungsarbeiten im Innern an. Raum und Form nahmen mehr Gestalt an. Ein behutsames Abwägen, Abstimmen, auch oftmals Ändern der ursprünglichen Absichten bedeuteten formendes Gestalten durch Handwerker, Restauratoren, Architekten und nicht zuletzt durch die Gemeinde und ihren Pfarrer Tramer.
Dies waren die Kräfte des Werdens dieser Kirche, die schließlich am 03.03.1974 fertiggestellt und mit einem festlichen Gottesdienst wieder der Gemeinde übergeben wurde. Der Schlusspunkt  konnte allerdings erst jetzt, im Sommer 1975, leider nach dem Tode von Architekt Haag, mit der Gestaltung der Außenanlage nach langwährenden Verhandlungen mit Stadt und Anliegern unter dem Motto „Was lange währt, wird endlich gut“ gesetzt werden. Dank dem Entgegenkommen von Stadt und Anliegern war es möglich den Gehwegbereich um die Kirche, insbesondere an der Schenkenbergstraße und der Kirchstraße wesentlich auszuweiten und mit Granitgranulatplatten und Porphyrpflaster eine der Erscheinung der Kirche angemessene und ausdrucksvolle Gestaltung zu verwirklichen. Zuletzt sei noch eine Maßname erwähnt, die aus rein praktischen Gesichtspunkten des Sichtschutzes beschlossen, nun einen sehr starken Stellenwert im Raumerlebnis einnimmt. Es ist dies die künstlerische Gestaltung der Fenster zum Hof und der Ganzglaseingangstüren durch Herrn Kunstmaler Schenk, dessen rhythmisch bewegte und spannungsvolle Bleiglasfenster und Metallfoliengestaltungen an den Türen als künstlerischer Ausdruck unserer Zeit den alten Bildtafeln aus der Frühzeit der Kirche im direkten Wortsinn gegenüberstehen.
 Diese Kirche mag insgesamt ihrer jetzigen Erscheinungsform Ausdruck für die Notwendigkeit sein, in unserer Zeit an dem weiter zu arbeiten, was uns an hohen Werten überliefert wurde, diesen Maßstab zu achten und sich ihm mit unserem Schaffen zu stellen.