Thema im Mai

"Sieben Wochen nicht ganz ohne..."

Das übliche Motto der Fastenzeit: "Sieben Wochen ohne..." hat uns einige besondere Formen des Verzichts auferlegt.
Nun starten wir behutsam wieder: Ab Sonntag, 17. Mai halten wir Gottesdienst in der Liebfrauenkirche. Da andere Veranstaltungen mit mehr als fünf Personen derzeit behördlich weiterhin verboten sind, halten wir das Gemeindehaus noch geschlossen. Unter dem Vorbehalt, dass sich Vorgaben dynamisch verändern, gehen wir derzeit davon aus, dass wir erst nach den Sommerferien das Gemeindehaus wieder für Gruppen und Veranstaltungen öffnen können.
Doch die zurückliegenden Wochen waren auch sonst "nicht ohne". Für viele von uns ist der Tatendrang ausgebremst, wo eine Tätigkeit, bei der man seinen Mitmenschen nicht fernbleiben kann, nur unter sehr erschwerten Bedingungen oder gar nicht erlaubt ist. Da fühlt man sich manchmal wie ein Musiker, der nun ohne sein Instrument musizieren soll.
Nicht überall war "Stillstand".
Baumärkte erleben ja gerade große Nachfrage, die ihnen gegönnt sei. Denn wenn das Übliche nicht geht, merkt man es ja umso deutlicher:
"Es gibt immer was zu tun."
Nicht nur Schüler sitzen dann bemüht über Hausaufgaben, die andere aufs "Geratewohl" aus der Ferne geschickt haben. Auch die Aufgaben im und ums Haus, die bisher unerledigt liegen blieben, weil immer anderes vorrangig dringender war, fordern einen nun heraus und machen einem zuweilen ein schlechtes Gewissen, weil man genau dieses immer noch nicht gemacht hat, weil man eigentlich nie "genug" getan hat. Genug kann nie genügen. In einer sogenannten Leistungsgesellschaft, die hoffentlich nicht bloß darin besteht, dass die einen viel leisten müssen und die anderen sich viel leisten können, kann es leicht geschehen, dass man sich sein Ansehen bei anderen durch vorzeigbare Erfolge und überall erkennbaren Eifer verdienen muss. Man ist dann soviel "wert", wie man sich für andere "nützlich" machen kann.
Wer umtriebig ist, ist weniger gefordert, sich rechtfertigen zu müssen als derjenige, der stillschweigend die Ruhe bewahrt. Kann man denn in unabsehbaren Zeiten, in denen es kaum berechenbare Erwartungssicherheit gibt, auch dadurch für andere nützlich sein, dass man zuversichtlich bleibt?
Der Konflikt ist nicht neu, schon im Lukasevangelium (10, 38ff) gerieten die Schwestern Maria und Marta in einen Wortwechsel. Wir haben im KGR die von anderen Terminen befreite Zeit mal "genutzt", einen Kurzfilm über einen Moment zu machen, der ebenso vergnügt wie nutzlos ist. Wir zeigen ihn gerne bei nächster Gelegenheit, wenn das Sich-Versammeln wieder entspannter möglich wird.