Thema im März

"Freiwilliger Statusverzicht"

Auf eine "zeitgemäße Weise unzeitgemäß" sein, - so solle die Einstellung der Christen sein. Dies meinte mal der Theologe Heinz Zahrnt. Und tatsächlich ist die Grundeinstellung, die uns am Bibelsonntag beim Philipperhymnus begegnete und die Paulus geradezu als Modell fürs Zusammenleben in der Gemeinde nahelegte, alles andere als derzeit im Trend:
Christus verzichtete auf alle göttlichen Vorzüge und gab sich selbst bis in letzter Konsequenz ins Menschsein. Darum wird er von Gott über alle, die sonst Rang und Namen haben, erhoben, damit alle erkennen und zustimmen können: In Jesus Christus begegnet Gott. Solch ein freiwilliger Verzicht auf einen erhabenen Status heißt in traditionell christlicher Sprache „Demut“.
Christus sah die ihm eigene, gottentsprechende Kraft, Liebe und Besonnenheit nicht als einen Privatbesitz an, den er nur exklusiv und ausschließlich für sich bekam. Nicht als die Beute eines gelungenen Raubzuges, wo man - erfolgreich für sich zuerst - anderen etwas weggenommen hat und nun bissig darüber wacht, dass ja kein anderer etwas davon abbekommt.
Christus also hielt, was er in sich trug an Gottvertrauen und Nächstenliebe, was ihn zuinnerst bewegte und in ihm pulsierte nicht in sich verschlossen und gönnte und gab es niemand.
Er behielt das Beste nicht für sich, er teilte sich mit, teilte seine Gaben mit anderen, damit auch diese etwas davon haben sollten und damit in dieser Teil-Gabe seine Nächsten mit ihm entsprechend verbunden waren.
Indem er darauf verzichtete, einen göttlich-überlegenen oder gar einen herrisch-überheblichen Rang gegenüber Menschen einzunehmen und sich auf seine Mitmenschen auf Augenhöhe einließ, schien er plötzlich den Menschen, die hoch hinaus und selber "Spitzenreiter" sein wollen, nichts besonders zu sein. Doch in seinem Verzicht auf Hochmut verschenkte er zwischenmenschlich, was uns Menschen unser Menschsein lebbar macht. Demut heißt ja nicht, sich in falscher, weil verschämter Bescheidenheit selber kleinreden, sondern eine echte realistische Einschätzung von sich und seinen Gaben und Fähigkeiten zu haben. Christus entsprechend behält jemand seine Würde gerade darin, dass er sich mit seiner Einstellung auch auf eine geringere Stufe stellen kann, ohne sich etwas zu vergeben, ohne sein Niveau zu verlieren. Was schlicht ist, muss deshalb noch nicht schlecht sein. Gottes Liebe ist sich selber nicht zu schade für einfache Verhältnisse. Er bleibt seiner gewaltfreien und lebensdienlichen Einstellung treu. Selbst angesichts des Todes wird er nicht gewalttätig und hasserfüllt. Nach der Bibel ist jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen. Christus wird Mensch, um diese Ebenbildlichkeit von innen heraus zu erneuern. Dazu müssen wir aber unsere Allmachtsphantasien aufgeben, mit denen wir Gott gleich sein wollen. Auch die Wunschphantasie, wir könnten immer jedem helfen, auch den Traum, wir könnten unser Leben als ein vollkommenes Kunstwerk gestalten.
Die Botschaft hier lautet: Auch in einem Leben mit Brüchen, auch in einem fragmentarischen Leben kann Gott anwesend sein und es mit Bedeutung, Sinn, und Freude erfüllen.  (P.R.)