Die neue Perikopenordnung

Über welchen Bibeltext die Pfarrerin am Sonntag predigt, welchen Wochenspruch der Pfarrer an den Anfang der Liturgie stellt, welches Lied nach der Schriftlesung gesungen wird – all dies bestimmen in der Regel nicht diejenigen, die den Gottesdienst gestalten. Bei der Auswahl dieser Texte orientieren sie sich an der jeweils gültigen Perikopenordnung, die die biblischen Predigttexte für den jeweiligen Sonntag im Kirchenjahr vorgibt.
Seit dem 19. Jahrhundert gibt es sechs verschiedene Perikopenreihen, die jeweils mit dem ersten Advent beginnen und nacheinander an der Reihe sind.
Die Reihe I umfasst Evangelientexte, die Reihe II Episteltexte (neutestamentliche Briefe), die Reihen III-VI diese und andere biblische Bücher. Ein bestimmter Bibeltext wird also nur alle sechs Jahre gepredigt.
Im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland gilt ab dem ersten Advent 2018 eine neue Perikopenordnung, die in den bisherigen Textbestand maßvoll eingreift. Die württembergische Landeskirche schließt sich zunächst für ein Jahr zur Erprobung dieser neuen Regelung an.
Ab dem ersten Advent verändern sich also auch bei uns die Gottesdienste. Was wird anders? Eine große Veränderung ist die "Durchmischung" der bisherigen Predigtreihen. Es werden also nicht mehr wie bislang im ersten der sechs Jahre nur Evangelientexte gepredigt, im zweiten Jahr dann Episteltexte usw.
Ein Predigtjahr wird von jetzt ab bei den Texten abwechseln: An einem Sonntag kommt ein Evangelientext an die Reihe, am nächsten ein Episteltext und dann ein alttestamentlicher Text. Es wird abwechslungsreicher.
Wer mitgerechnet hat, weiß nun, dass rund ein Drittel aller Texte aus dem Alten Testament stammen. Dafür wurde ihr Anteil verdoppelt. Im Hintergrund steht die Neuentdeckung der Bedeutung des Alten Testaments in den letzten Jahrzehnten durch die christliche Theologie. Jetzt soll im Gottesdienst verstärkt der eigenen Stimme des Alten Testaments Raum gegeben werden. Hierbei spielt auch das christliche Gespräch mit dem Judentum eine Rolle. Das Neue Testament ist im alten verankert. Ohne dieses hinge die Christusgeschichte in der Luft. Es ist nötig, um das Christuszeugnis als biblisches Gotteszeugnis zu hören.

 

 

Neu wird es auch bei den Wochenliedern.
Künftig gibt es pro Sonntag zwei Wochenlieder,
ein älteres und ein neueres.
Dazu wird es ein neues Liederbuch geben, als
Ergänzung zum bisherigen Evangelischen Gesangbuch:
Es heißt:
„Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder PLUS“.
Evelina Volkmann, Fachstelle Gottesdienst